Lanzarote-Nachrichten, Archiv Mai 2006

www.lanzarote-nachrichten.com

31.5.06: Senegal – Kanaren: ein Angehöriger von Immigranten berichtet

Die große senegalesische Tageszeitung "le soleil" hat für einen Artikel den Ingenieur Abdou interviewt, dessen 4 Brüder - Fischer von Beruf - vor 2 Wochen in Richtung Kanaren aufgebrochen waren. Der diariodelanzarote hat den Artikel für eine Meldung vom 29.5.2006 zugrunde gelegt [Quelle]:

1500 km Seeweg sind zurückzulegen, um von Saint Louis (Senegal) zum vermeintlichen Paradies zu gelangen.

Für erfahrene, senegalesische Fischer - also auch für seine 4 Brüder - seien so lange Ausfahrten absolute Routine, erklärt Abdou. Schließlich würden sie regelmäßig in See stechen, um die westafrikanische Küste bis Sierra Leone oder Liberia*) abzuklappern und Beute zu machen. Solche Touren dauern ca. 2 Wochen. Langstreckenerfahrung sei also vorhanden. Für die Überfahrt auf die Kanaren, so erklärt er weiter, würden die "Organisatoren" stets sehr gute und neuwertige Boote einsetzen, die hochseetauglich seien. Mindestens 12.000,- € würden investiert werden: ab 4.500,- koste ein Boot, und wegen der Tücken der Technik würden vorsorglich nicht nur zwei - abwechselnd eingesetzte - Motoren à 3.000,- bis 4.000,- Euro, sondern auch Ersatzteile mitgenommen werden. Hinzu kommen noch ca. 1500 Liter Diesel.

Die Passagiere zahlen für die Überfahrt 800,- € pro Kopf. Wer sich an Bord nützlich machen und z.B. navigieren kann und dafür eingesetzt werde, zahle nur 350,- €. Ein Koch kümmere sich um die Verpflegung.

Bei 50 Immigranten pro Boot würden ca. 30.000 € umgesetzt. 18.000,- seien Kosten; und 12.000,- fließen in die Taschen der Organisatoren. Boote mit bis zu 75 Immigranten würden einen Gewinn von bis zu 30.000,- € bringen.

-------
Im spanischen Text stehen keine weiteren Informationen. Und da bin ich ziemlich erschrocken, denn die Überfahrt liest sich beinahe wie eine romantische Kreuzfahrt mit Vollverpflegung, bei der es nur Gewinner gibt. Aber Gott sei Dank ist der Originaltext im "le soleil" ausführlicher und hat ein offenes Ende:

Abdou, hat nämlich schlaflose Nächte, denn er wartet noch immer auf einen erlösenden Anruf... Und seine Brüder seien nicht die einzigen, die riskieren, im "Bauch des Ozeans" zu sterben, ....womit der Buchtitel von Fatou Diome zitiert wurde: "Der Bauch des Ozeans"

*) ..nichts Genaues weiß man nicht, denn Freetown, die Hauptstadt von Sierra Leone, wurde in der Nachricht als liberianische Stadt bezeichnet – und übrigens leider auch im originalen Nachrichtentext der senegalesischen Tageszeitung "le soleil"....

31.5.06: Hochzeit ist out, Scheidung ist in

Die Zahl der Hochzeiten ist seit 1994 von 5,4 auf 3,5 pro tausend Einwohner gesunken. 22% der Ehen werden mit einem ausländischen Partner geschlossen (in 2 von 3 dieser Ehen ist die Frau Ausländerin); und bei 16% der hiesigen Eheschließungen sind beide Partner Ausländer.

Mittlerweile werden rund 50% der Ehen wieder geschieden.

Quelle

29.5.06: Expertenmeinung zur Unfruchtbarkeit

Interessant und lustig ist es bisweilen schon, wie wenig kritisch die hiesige Presse mit Pressemeldungen umgeht; und wie naiv so manche Berichterstattung speziell deswegen (... aber auch generell) wirkt.

Auch heute gibt es wieder viel zu lachen.

Nicht nur beim Titel ... – hier die sinngemäße Übersetzung:

Es gibt keine "endemischen Gründe", sagt ein Experte
Das exzessive Sexualleben auf den Kanaren, das durch den Touristenboom hervorgerufen wurde, ist mögliche Ursache für Unfruchtbarkeit

..der Text ist nicht weniger erheiternd ....- und sorry: ich konnte mir das Einflechten von Kommentaren nicht verkneifen:

2 von 10 Canarios haben Probleme mit der Fruchtbarkeit. In 40% der Fälle liegt es an der Frau, in 40% am Mann, in 20% an beiden. Nein, ein kanarisches Problem (in diesem Zusammenhang wird das Wort endemisch verwendet...) sei es nicht, die Unfruchtbarkeitsrate auf dem Festland sei sehr ähnlich. Wohl aber sei ein Zusammenhang möglich zwischen Unfruchtbarkeit und (auf den Kanaren überdurchschnittlich häufiger) Jugend-Diabetes sowie sexueller Promiskuität – seit dem Touristenboom, wohlgemerkt.

Bei Frauen, so heißt es, sei die Unfruchtbarkeit häufig auf Eileiter-/Eierstockerkrankungen zurückzuführen. Und diese wiederum würden in vielen Fällen durch – auch chronische - Infektionen sowie Geschlechtskrankheiten hervorgerufen. Der befragte und im Text häufig zitierte Experte Dr. Ali Mashlab del Rosario räumt aber auch noch die ein oder andere hormonelle Ursache ein. Na immerhin doch.

Männer hingegen sind bei diesem Thema pure Opfer: Schließlich liege die Unfruchtbarkeit an der schlechten Samenqualität; und die Qualitätseinbußen, so heißt es, seien entweder genetisch bedingt, oder auf die Umwelt zurück zu führen (z.B. häufiger Kontakt mit Pestiziden).

Dank moderner Medizintechnik könne aber mittlerweile in vielen Fällen selbst dem lahmsten Samen auf die Sprünge geholfen werden, so Dr. Ali Mashlab del Rosario, Leiter des "Instituto Canario de Infertilidad". 1000 Babys konnten – dem Institut sei Dank - innerhalb der letzten 10 Jahre das Licht der Welt erblicken.

nd die Moral von der Geschicht?! .... ..... .....

Und wer nun die unverfälschte Originalfassung lesen möchte, kann dies hier tun: Quelle

25.5.06: Reinigung des Charco de San Ginés verzögert sich

Der Startzeitpunkt der groß angelegten und ca. 100.000 Euro teuren Reinigung des Charco de San Ginés wird sich um 2 Wochen verzögern. Es ankern noch zu viele Boote dort, da noch nicht alle Bootseigner informiert werden konnten.

Danach sollen innerhalb von 2 Monaten große Schlickmengen und Müllberge entsorgt werden.

Quelle

24.5.06: EU-Subventionen für Weinanbau

Der Weinanbau auf Lanzarote wird kräftig subventioniert aus EU-Kassen.

476 Euro pro Hektar zahlt Brüssel. 1.532 Weinbauern haben diese Subvention beantragt. 879.000 Euro werden insgesamt aus Brüssel nach Lanzarote fließen.

Quelle

23.5.06: Bau eines Kernkraftwerks im Süden Marokkos?

Das Thema wird zur Zeit neu aufgelegt: Bereits vor etlichen Jahren plante Marokko den Bau eines Kernkraftwerks – nur 200 km von Lanzarote und Fuerteventura entfernt -, angeblich als Energiequelle für Meerentsalzungsanlagen. Das Vorhaben wurde seinerzeit auf Eis gelegt; nun denkt Marokko wieder laut über eine Realisierung nach (Quelle).

Hier ist ein alter Pressebericht aus dem www, den ich aus der Quelle vollständig herauskopiert habe, bevor sie versiegt:

Umweltschützer auf Kanaren in Sorge wegen marokkanischer Nuklearpläne
Von Hubert Kahl (25. 12. 1998)

Madrid (dpa) - Die Regierung in Marokko hegt nach Presseberichten Pläne, im Süden des Landes ein Atomkraftwerk zu errichten. Das Vorhaben, das sich noch in der Anfangsphase der Planung befinden soll, stieß auf den Kanarischen Inseln bereits auf erste Proteste von Umweltschützern. Das Kraftwerk soll nämlich bei Tan-Tan an der Atlantikküste im Süden Marokkos in der Höhe der spanischen Ferieninseln Fuerteventura und Lanzarote entstehen.
Nach Angaben der in Las Palmas erscheinenden Zeitung "Canarias 7" soll es sich bei dem geplanten Reaktor um ein relativ kleines Kraftwerk mit einer Kapazität von zehn Megawatt handeln. Der Atommeiler wäre das erste Kernkraftwerk in Marokko. Er soll mit chinesischer Hilfe gebaut werden und dazu dienen, eine Anlage zur Meerwasserentsalzung mit der nötigen Energie versorgen. Das dadurch gewonnene Wasser soll dazu verwandt werden, in dem Wüstengebiet Felder zu bewässern und die Landwirtschaft zu entwickeln. Umweltschützer in Spanien sehen in dem Vorhaben eine potentielle Bedrohung für die Bevölkerung und die Millionen von Touristen auf den Kanarischen Inseln. "Auch von einem kleinen Reaktor können bei einem Unfall erhebliche Gefahren für die Menschen ausgehen", sagt Carlos Bravo, der Atomkraftexperte der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Spanien. Die Inseln Fuerteventura und Lanzarote liegen 200 Kilometer vom geplanten Standort des Reaktors entfernt. Die Regionalregierung der Kanaren wollte sich dazu bislang nicht äußern. Auch die Botschaft Marokkos in Madrid lehnte eine Stellungnahme ab.
Der Greenpeace-Experte betrachtet die Entsalzung von Meerwasser nur als einen Vorwand. "In Wirklichkeit geht es Marokko darum, den Einstieg in die Nukleartechnologie zu finden", meint Bravo. "Eine Entsalzungsanlage ließe sich viel kostengünstiger mit nicht-atomaren Energiequellen betreiben." Greenpeace forderte die spanische Regierung auf, zu den angeblichen Plänen Marokkos Stellung zu beziehen.
Die Presse auf den Ferieninseln gibt zu bedenken, daß Atomkraftwerke als Energieerzeuger nicht mehr zeitgemäß seien. "In Europa kündigten mehrere Staaten bereits ihren Ausstieg aus der Kernenergie an, in den USA werden seit 20 Jahren keine neuen Atomkraftwerke mehr gebaut", schreibt "Canarias 7". "Nun sucht die Atomindustrie, da ihre Kraftwerke in den Industriestaaten auf Ablehnung stoßen, neue Abnehmer in Afrika und Asien."
Der Bau des Kraftwerks in Marokko würde nach Schätzungen der Zeitung umgerechnet etwa 1,2 Milliarden Mark kosten. Der marokkanische Ministerpräsident Abderrahman Youssoufi hatte China kürzlich einen offiziellen Besuch abgestattet und dürfte dabei auch über die Kraftwerkspläne gesprochen haben. Beobachter in Rabat weisen aber darauf hin, daß das Vorhaben von einer Verwirklichung noch weit entfernt sei. Man spreche auch seit langem schon über den Bau eines U-Bahnnetzes in der Wirtschaftsmetropole Casablanca, ohne daß diese Pläne sich bislang konkretisiert hätten.

16.5.06: Die wundersame Bettenvermehrung auf Lanzarote

2003 wurde in Richtlinien (Directrices de Ordenación General y del Turismo de Canarias) u.a. festgelegt, die Bettenzahl auf den Kanaren nicht mehr zu erhöhen, dafür aber die Qualität des Bestandes durch Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen anzuheben. Auch weitere gute Vorsätze zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus im Einklang mit der Natur wurden dort abgedruckt.

Seit dieser Zeit ist die Bettenzahl allein auf Lanzarote um 4.580 auf 65.428 gestiegen (nur legale Betten gezählt). Das sind 12,5% mehr als im Jahre 2000. Und für weitere 10.418 Betten laufen derzeit die Genehmigungsverfahren.

Auf Lanzarote ist - mit 145 Betten/km² - die Dichte der touristischen Übernachtungsmöglichkeiten am höchsten. Dazu im Vergleich:

Gran Canaria 105, Teneriffa 88 und Fuerteventura 53.

Quelle

15.5.06: Schlechte Aussichten für stark bedrohte Tierarten

Nur noch 15-20 Jahre geben die Experten einigen sehr seltenen, auf den Kanaren anzutreffenden Tierarten. Danach müssen sich Interessierte in andere Ecken der Welt begeben, um auf Beobachtungsexkursionen gehen zu können.

Folgenden, endemischen Tierarten droht eine endgültige Ausrottung:

Eine nur auf Lanzarote und Fuerteventura lebende Unterart der Schmutzgeier (Neophron percnopterus) - hier guirre oder alimoche genannt.

Die Bestände einer Unterart der ziemlich stattlichen Kragentrappe (Chlamydotis undulata), hier avutarda hubara genannt, haben sich zwar ein wenig erholt; aber so richtig über den Berg ist diese Vogelart noch nicht.

Eine Unterart der Blaumeise (Parus caeruleus degener), bzw. herrerillo común, von der es nur noch 62 Paare gibt (bewohnt insbesondere die höher gelegenen Zonen von Haría) sowie eine nur 10 Gramm schwere Unterart der Samtkopfgrasmücke (Sylvia melanocephala leucogastra - currcuca cabecinegra), von der es noch rund 150 Paare gibt.

Aber nicht nur fleuchende, sondern auch kreuchende, endemische Tiere sind betroffen:
Der blindschleichenähnliche Ostkanarenskink (Chalcides simonyi), bzw. hier lisneja genannt, von dem es auf Lanzarote nur noch 2 Populationen im Norden gibt. Zu Beginn der 80er gab es noch Populationen in Tinajo und Güime.

Quelle

12.5.06: Wanderfalken-Küken gerettet

Auf Lanzarote einschl. dem Chinijo-Archipel gibt es nur noch 13 Paare der Wanderfalken-
Unterart "Falco peregrinus peregrinoides" (= Berberfalke), hier "Halcón de Berbería" oder "Halcon Tagarote" genannt. Diese Falken ernähren sich gerne von Tauben.

Ein Wanderfalken-Küken ist leider aus seinem Nest in Yaiza gefallen. Es wurde von einem aufmerksamen und verantwortungsvollen Bürger gefunden und konnte gerettet werden. Glück hatte es gehabt; denn einige Einheimische stehlen Eier oder Jungvögel dieser hier vorm Aussterben bedrohten Art aus ihren Nestern..

Quelle

12.5.06: Immer weniger ausländische Touristen

Während auf anderen Kanaren-Inseln in 2006 der Strom ausländischer Besucher im Vergleich zum selben Zeitraum in 2005 gestiegen ist, ist er auf Lanzarote rückläufig. Im März sahen die Veränderungen im Vergleich zum März 2005 wie folgt aus:

Teneriffa: +8%, Gran Canaria und Fuerteventura +3%; Lanzarote –5,5%.

Quelle

… Wenn sich allerdings, wie in Bezug auf Fuerteventura neulich berichtet, die Ausgaben pro Kopf gegenläufig entwickeln – d.h. dass immer mehr Besucher immer weniger Geld auf der Insel lassen – sieht die vermeintlich positive Entwicklung der Touristenquote gar nicht mehr rosig aus.

11.5.06: Fußgängerbrücke im Nordosten

Durch die neue Schnellstraße wurden einige Wege regelrecht durchtrennt und können deshalb nicht mehr genutzt werden, bzw. nur noch über Umwege ist es möglich, von diesseits nach jenseits der Schnellstraße zu gelangen und wieder zurück.

Zur Zeit wird eine Fußgängerbrücke auf der Strecke zwischen den beiden Ortsausfahrten Guatiza und Mala (auf der Höhe von Mala) errichtet, durch die ein seit jeher häufig genutzter Weg wieder gegangen werden kann.

Quelle

9.5.06: Ziemlich viele Ausländer in Lohn und Brot

In 2005 wurde jeder 3. Arbeitsvertrag mit einem Ausländer geschlossen.

Die Topliste nach Herkunftsländern: 1. Kolumbien, 2. Marokko, 3. Ecuador, 4. Italien, 5. Mauretanien.

Und 12,5% der Verträge wurden mit Spaniern aus anderen Regionen geschlossen, insbesondere aus Galicien, Andalusien und Madrid.

Quelle

5.5.06: Neue und moderne Katasterbüros

Wer das verstaubte Katasteramt von Arrecife kennt, wird sich darüber freuen, dass ein in vielen Teilen Spaniens neu eingeführtes, Internet-basiertes Kataster-Auskunftsystem auch auf Lanzarote installiert wurde.

Und zwar nicht nur in Arrecife, sondern auch in Yaiza, Tinajo und San Bartolomé.

Seit Mittwoch können von Büromitarbeitern mit wenigen Mausklicks alle gewünschten Katasterinformationen eingeholt werden. Mündliche Auskünfte sind gratis, Ausdrucke sind kostenpflichtig.

Quelle