Lanzarote-Nachrichten, August 2007

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31.08.2007 Verkauf der Montaña Clara: Preistreiberei?

Der Chinijo-Archipel , die Steilküste des Risco de Famara sowie das große Dünengebiet “El Jable“ stehen als “Parque Natural del Archipiélago Chinijo“ unter ganz besonderem Schutz.

Die Inseln “Montaña Clara“ sowie “Alegranza“ befinden sich noch in Privateigentum, weshalb das spanische Umweltschutzministerium 2006 ankündigte, den Kauf der Inseln über den juristischen Weg eines Enteignungsverfahrens in die Wege zu leiten.

Dieses Prozedere scheint den Eigentümern nicht schnell genug zu gehen, weshalb sie die Insel “Montaña Clara“ über die Immobilienagentur “Look and Find“ nun für 9 Millionen Euro anbieten. Angeblich gibt es bereits Kaufinteressenten.

Wie gestern hier zu lesen war, vermutet auch die Stiftung Cesar Manrique dahinter nichts anderes als Preistreiberei und eine Beschleunigung des Enteignungsverfahren, das zu Entschädigungszahlungen führt.

 

26.08.2007 “Pulpear” mit Clotilde: Auf Krakenfang unterhalb des Risco de Famara

Clotilde ist eine über 70jährige Bäuerin aus Máguez. Die kümmerlichen Erträge, die sie dem Boden ihrer Felder mühevoll abringen muss, die Milch ihrer wenigen Ziegen sowie das Meer ernähren sie. Seit Jahrzehnten macht sie sich regelmäßig auf den langen, steilen und beschwerlichen Weg zum Küstenabschnitt unterhalb des Risco de Famara, um dort Kraken zu fangen (“pulpear”) sowie Meeres- und Napfschnecken zu sammeln.

Wir haben darum gebeten, sie begleiten zu dürfen. Unsere kleine Reportage gibt es hier.

24.08.2007 Bald Aquakultur vor der Küste von Playa Blanca

Ab voraussichtlich Frühjahr kommenden Jahres sollen in 12 Netzgehegen mit einem Durchmesser von jeweils 20 Metern “Dorada“ (Goldbrasse) sowie “Lubina“ (Wolfsbarsch) in der Bucht von Pechiguera aufgezogen werden.

Das nach langwierigen Verfahren nun auch vom Umweltschutzamt genehmigte Projekt wird von 3 Mitgliedern der Fischereigenossenschaft von Playa Blanca betrieben. 500 bis 600 Tonnen Fisch pro Jahr sollen zukünftig in den Gehegen produziert werden und 15 – 20 Arbeitsplätze entstehen.

Ob dieses Projekt erfolgreicher sein wird als der letztendlich fehlgeschlagene Versuch der Firma Yaizatun, eine Thunfischaufzucht vor Playa Quemada zu betreiben, wird sich zeigen.

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20.08.2007 Kaninchenjagd mit Podencos und Frettchen

Am 11. August hat die Kaninchen-Jagdsaison begonnen. Jagdtage sind Donnerstage, Sonn- und Feiertage. Insbesondere sonntags reihen sich in die Autokaravanen zahlreiche Pick-ups, mit denen kanarische Podencos in Käfigen in die Jagdreviere transportiert werden.

Aufgrund der relativ geringen Niederschläge im vergangenen Winter haben sich die Kaninen nicht stark vermehrt, so dass die Jäger bisher nicht zufrieden sind mit ihrer Ausbeute, teilte der Präsident des lanzarotenischen Jagdverbandes, Domingo Perera, heute mit.

Das Jagen mit dieser Hunderasse in Verbindung mit Frettchen, die dazu eingesetzt werden, die Kaninchen aus ihren Bauten zu vertreiben, damit sie von den Hunden aufgespürt werden können, wird weltweit nur auf den Kanaren betrieben und erfülle alle Voraussetzungen, um als traditionelle Sportart anerkannt zu werden, wofür er sich zur Zeit stark einsetze.

13.08.07 Prozession in Puerto del Carmen: 6 Bootsinsassen durch Feuerwerksrakete verletzt

Auf der traditionellen Bootsprozession im alten Hafen von Puerto del Carmen zu Ehren der Schutzpatronin der Fischer, Virgen del Carmen, kam es am vergangenen Samstag zu einem Unfall: Eine Feuerwerksrakete fügte 6 Insassen des Prozessionsbootes mit der Heiligenfigur Brandverletzungen zu. Ein Insasse musste ins Inselkrankenhaus eingeliefert werden, und 3 Insassen mussten sich in der nächsten Krankenstation behandelt lassen. 2 Insassen kamen mit leichten Verletzungen, die von Sanitätern vor Ort behandelt wurden, davon.

Auch die Heiligenfigur wurde von der Rakete getroffen und ist dabei beschädigt worden.

Der Bürgermeister von Tías, Juan Cruz Saavedra, sowie alle weiteren Bootsinsassen blieben unverletzt.

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09.08.2007 Ein Wein aus Lanzarote unter den spanischen Top100-Weinen

60 Experten haben aus 565 präsentierten, spanischen Weinen die 100 besten ausgewählt. Darunter befindet sich der ‘El Grifo Malvasía Seco 2006’.

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08.08.07 Englische Billig-Airline im Anflug

Eine der bedeutendsten europäischen Billig-Airlines, www.Jet2.com, wird ab Oktober mit 22 wöchentlichen Flügen Gäste aus Newcastle, Manchester und Leeds nach Lanzarote befördern.

Die Inselregierung wird die neuen Flugangebote mit Marketing-Kampagnen unterstützen.

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06.08.2007 Arrecife/Islote del Francés: Abriss der Ruinen geplant

Die verfallenen Werkhallen der ehemaligen Fischfabrik “La Rocar“ sowie auch die andere Ruinen auf der vorgelagerten Halbinsel “Islote del Francés“ sind für zahlreiche Bewohner und Politiker seit Jahren einer der größten Schandflecken der Inselhauptstadt – und für Underdogs eine beliebte Wohn- und Aufenthaltsgegend.

Eigentümerin der Halbinsel ist seit einigen Jahren die Immobilienentwicklungsgesellschaft “Inversiones Islote del Francés S.L.”; und seitdem gab es neben Spekulation auch allerhand Gerüchte um die Zukunft dieser 1-A-Citylage. Nach gerichtlichen Auseinandersetzungen sind sich die Eigentümer und die Stadt kürzlich zwar einig geworden, dass von den 83.000 m² Gesamtfläche 78.000 m² in das Eigentum der Stadt übergehen und 4.000 m² weiterhin von den Eigentümern genutzt und zu einem Freizeitbereich umgewidmet werden sollen, wie hier zu lesen ist: , die Übertragung hat allerdings noch nicht statt gefunden.

Die Stadt plant schon seit einigen Jahren die Errichtung eines großen Auditoriums auf der Halbinsel; und diese Pläne werden nun intensiv verfolgt. Die Küstenbehörde ‘Costas’ hat in dieser Zone mehr als nur ein Wörtchen mitzureden, weshalb alle Aktivitäten mit ihr abzustimmen sind.

Gestern fand ein Treffen zwischen Stadtvertretern und ‘Costas’ statt, bei dem Einigung über einen baldigen Abriss der Gebäude erzielt wurde.

Problematisch in diesem Zusammenhang ist, so der Zeitungsartikel, dass ca. 40 Personen durch den Abriss obdachlos würden; und um diese Personen ging es gestern beim Zusammentreffen ebenfalls. Die Behörde für Soziales schlug vor, sich mit den Familien der Betroffenen in Verbindung zu setzen, damit sich diese um ihre Angehörigen kümmern. Auch bestehe die Möglichkeit, sich mit den Rathäusern der Provinzen, aus denen die Betroffenen – überwiegend Nicht-Lanzaroteños – stammen, mit dem Ziel, sie in ihre Heimatregionen zurück zu schicken.

Die Nachbarschaftsinitiative der Bürger des Stadtteils Titerroy befürchtet, dass sich die Stadt weiterhin aus der Verantwortung stiehlt, wenn es um die Bekämpfung der Drogensucht und Kriminalität geht und dadurch die Gefahr bestehe, dass sich die Islote-del-Francés-Szene zum “Parque de los Pinos“ (Anm.: der offiziell “Parque Doctor Rodríguez de la Fuente“ heißt) in Titerroy verlagern und sich die Situation im Stadtteil noch verschlimmern werde. 

Weitere Themen im Gespräch mit ‘Costas’ waren der geplante Bau einer Promenade von Costa Teguise nach Arrecife, vorbei am Hafengebiet “Puerto de los Marmoles“ sowie eines Strandes am “Punta del Camello“, als Fortsetzung des Stadtstrandes “Playa del Reducto“.

03.08.2007 Baugenehmigungen von 2 Hotels ungültig

Auch heute gab es wieder Nachrichten aus dem Gerichtssaal des Obersten Gerichtshofs der Kanaren:

In zwei Prozessen, bei denen die Inselregierung als Klägerin auftrat, wurde entschieden, dass Baugenehmigungen, von denen innerhalb der gesetzten Fristen kein Gebrauch gemacht wurde, ungültig werden und nicht verlängert werden dürfen um zu vermeiden, dass eine bauliche Anlage, die zu einem späteren Zeitpunkt errichtet wird, gegen zwischenzeitlich veränderte rechtliche Rahmenbedingungen verstößt.

Konkret ging es um jeweils einen Hotelkomplex in Costa Teguise und in Playa Blanca:

In Costa Teguise handelt es sich um ein auf der Parzelle 242B geplantes 974-Betten-Hotel , für das 1989 eine Baugenehmigung erteilt wurde, die 1998 vom damaligen Bürgermeister von Teguise, Juan Pedro Hernández, verlängert wurde, obwohl das Bauvorhaben nicht im Einklang stand mit den Festlegungen des seit 1991 geltenden Raumordnungsplans (PIOT). Mit dem jüngsten Urteil hob der Oberste Gerichtshof ein in 2004 im eigenen Haus ergangenes Urteil auf.

Von besonderer Bedeutung ist die in diesem Fall durchgeführte Stillegung der Baustelle in 2006, denn sie hat auf den Kanaren Präzedenzcharakter:

Carlos Espino, damaliger Direktor der Planungs- und Umweltbehörde der Inselregierung, war der erste Ressortchef auf den Kanarischen Inseln, der von seinem Recht Gebrauch gemacht hat und ein solches Bauvorhaben stilllegen ließ. Durch das schnelle Eingreifen wurde der Bau in einer frühen Phase gestoppt, als erst ca. 20% des Tragwerks standen.

In Playa Blanca handelt es sich um das Ende 2006 eröffnete Dream Hotel Gran Castillo, einem 5-Sterne-Komplex in unmittelbarer Nachbarschaft des Hotels Papagayo Arena. Auch in diesem Fall waren die Fristen abgelaufen: Die Baugenehmigung für das Hotel wurde 1998 erteilt, die Bauausführungsgenehmigung in 2001 und die Verlängerung in 2003; und auch in diesem Fall wurde das vorige Urteil des Obersten Gerichtshofs, bei dem die Fundación César Manrique Klägerin war, aufgehoben.

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02.08.2007 Archipiélago Chinijo: 80 freiwillige Helfer im Einsatz

Auch in diesem Jahr kümmern sich Naturschützer der Organisation WWF/Adena um Sauberkeit und Naturschutz der größten Inseln des einzigartigen Archipiélago Chinijo.

Insgesamt 80 freiwillige Helfer halten sich vom 9. August bis zum 9. November im Zeichen des Naturschutzes auf der Insel Alegranza und vom 25. August bis zum 30. September auf La Graciosa auf. Neben allgemeinen Arbeiten zur Bestandsaufnahme der Flora und Fauna, zu der auch die noch recht große Population der Gelbschnabel-Sturmtaucher gehört, bestehen die Aufgaben der „Voluntarios“ (= Freiwilligen) darin, die Inseln von Müll zu befreien, die Inselbesucher und – im Falle von La Graciosa auch die Inselbewohner - für den Naturschutz zu sensibilisieren sowie auch die Inseln vor “Eierdieben“ zu bewahren. Schließlich gehören sowohl der Gelbschnabel-Sturmtaucher, der bei den Einheimischen „Pardela“ genannt wird, als auch seine Eier traditionell als Delikatesse.

Quelle

01.08.2007 Fortsetzung im Hotel-Papagayo-Arena-Skandal

Zunächst ein kurzer Rückblick:

Die Baugenehmigungen für die beiden Parzellen, auf denen der 12stöckige Hotelkomplex gebaut wurde, wurden am 16.1998 und am 11.8.2000 vom Bürgermeister von Yaiza, José Francisco Reyes, erteilt. Alle Protestaktionen, an denen sich u.a. der Literatur-Nobelpreisträger José Samarago beteiligte, blieben ohne Folgen. 

Am 16.8.2005 annullierte die Inselregierung die Zulassung des Hotels für eine touristische Vermietung mit Verweis auf den Verstoß gegen geltendes Baurecht, und seitdem ist der “Fall“ vor Gericht – und das Hotel, das 2003 eröffnet wurde, nach wie vor in Betrieb.

Etwa ein Jahr später, im Juli 2006, hat die Küstenbehörde “Dirección General de Costas“ erste Schritte zur Enteignung des Hotels angekündigt mit der Begründung, das Areal des Hotels, zu dem auch ein Strandabschnitt gehört, sei von öffentlichem Interesse und habe deshalb jederzeit öffentlich zugänglich zu sein; und zwar in seinem ursprünglichen Zustand. Das Vorhaben der Küstenbehörde wird vom spanischen Umweltministerium unterstützt, und die Kosten, die im Zusammenhang mit der Enteignung entstehen, würden, laut Aussage der Umweltministerin Christina Narbona Ruiz, vom spanischen Umweltministerium getragen.

Aktuell ist in der Inselpresse (Beispiel Quelle 1 Quelle 2) zu lesen,

dass der Oberste Kanarische Gerichtshof am 8.7.2007 der Inselregierung Recht gegeben hat, und dass von Seiten der Inselregierung bekannt gegeben wurde, dass dieses Urteil das Enteignungsverfahren enorm vereinfachen und die Höhe der Entschädigung, die an die Eigentümer zu zahlen ist, reduzieren werde. Es sei sehr wahrscheinlich, dass dieses Urteil ein endgültiges sei.

Unser Kommentar:

Sichtbarer als durch diesen, in jeder Hinsicht illegalen Hotelklotz können die hiesigen kriminellen Machenschaften, insbesondere des Bürgermeisters Reyes, kaum sein. Die zahlreichen juristischen Formfehler, Fristversäumnisse und zeitlichen Verzögerungen in diesem und in ähnlichen Fällen, die der Allgemeinheit großen Schaden zufügen und den Verantwortlichen Straffreiheit garantieren, lassen kaum einen anderen Schluss zu, als dass diese gezielt begangen wurden.

Der politische Gegner laviert und taktiert, die Tagespresse mit der Möglichkeit einer täglichen, kritischen Berichterstattung behandelt diese heikle Themen mit naiver Arglosigkeit - und die Wähler bestätigten soeben Bürgermeister Reyes im Amt.