Wahlkampf 2007 auf Lanzarote
In Lanzarote wird in wenigen Tagen eine neue Regierung gewählt, wie überall in Spanien. Der Wahlkampf ist auf seinem Höhepunkt angekommen. Täglich fahren Autos mit großen Lautsprechern durch die Ortschaften und verkünden kaum verständliche, inhaltslose Parolen, deren Wichtigkeit offensichtlich von der Lautstärke abhängig ist. Man fühlt sich in ein vordemokratisches Land des vergangenen Jahrhunderts versetzt, wo die Bürger ohne Presse, Funk und Fernsehen leben mussten, geschweige denn sich aktiv mit Informationen versorgen konnten, wie es per Internet möglich ist. Plakate mit Slogans, die noch weniger als nichts aussagen, verstellen den Blick auf Landschaft und Verkehrsschilder, um Botschaften ohne Sinn und Verstand zu propagieren.
Einen Höhepunkt der Missverständlichkeit hat dieses Mal unsere Partei, die PSOE, erreicht, mit der Information "WIR MACHEN MEHR". Wer hat nur diese unsinnige Parole ausgegeben? Für einen Inselbewohner kann das nur bedeuten, wir werden noch mehr bauen und damit das einzige Kapital der Insel - die Naturlandschaft - so intensiv wie möglich zerstören.
Der Höhepunkt der Absurdität ist die Verwendung des Konterfeis eines korrupten, zu acht Jahren Gefängnis verurteilten und zu 15 Jahren Aberkennung der Wählbarkeit verurteilten Politikers (D.M.) auf Wahlplakaten durch die PIL. Offensichtlich hält man den redlichen Wähler für dumm.
Warum findet ein derartiger Wahlkampf statt?
Die im Wesentlichen inhaltslosen Parolen deuten auf ein zentrales Problem der Insel hin: Im großen und ganzen ist ja alles bestens geregelt und eine Wahl soll möglichst nichts verändern, zumindest nach den Vorstellungen der Ton angebenden Familienclans, die die Insel unter sich aufgeteilt haben und in Ruhe ihren Geschäften nachgehen wollen und ihre Ämter ohne Einmischung nach absolutistischer Manier führen möchten.
Dass diese Geschäfte vorwiegend mit Bauen zu tun haben, war schon César Manrique ein großes Problem. Zu seinen Lebzeiten konnte er Kraft seiner Autorität das Streben der "Clan-Chefs" beschränken. Nach ihm waren alle Hemmungen gefallen, wie es damals viele vernünftige Menschen voraus gesehen hatten.
Die einflussreichen Familien folgen einzig ihrer Habgier und einem dumpfen Streben nach Macht und Einfluss, wie es das Verhalten von D. M. sehr deutlich veranschaulicht. C. M. wusste, dass diesen Leuten die Weitsicht, Weisheit und Bildung fehlt, die Natur Lanzarotes zu schützen und den Menschen eine lebenswerte Zukunft zu sichern. Das Gran Hotel in Arrecife ist ein schönes Beispiel für seinen Kampf gegen die Bauunternehmer, die ihr rücksichtsloses Profitstreben nur während seiner Abwesenheit umsetzen konnten.
Manriques Auseinandersetzungen mit den Clan-Chefs seiner Zeit, wäre heute ein ergiebiges Wahlkampfthema. Denn vermutlich war er der letzte einflussreiche Lanzaroteño, der seine persönlichen Interessen nicht über das Wohlergehen der Menschen und der Natur setzte. Anders als die Mehrzahl der gegenwärtigen Amtsinhaber, wusste er, dass eine solche Einstellung ihm selbst und allen anderen nützt.
Es wäre fatal, nach den gegebenen Umständen zum Schluss zu kommen, wählen sei sinnlos. Warten wir lieber, bis wieder ein César Manrique kommt, der die Insel und alle redlichen Bewohner retten wird.
In diesem Falle wird allerdings übersehen, dass es auch redliche Politiker gibt, die im Sinne César Manrique die Insel erhalten wollen und sehen, was zu tun ist.
Nur wer sein Wahlrecht wahr nimmt, wird sie unterstützen und damit sich selbst und allen anderen nützen.
Barbara & Günther Beetz, Las Breñas
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