Gedanken zum Thema Ölbohrvorhaben

Die Empörung über und der Widerstand gegen die geplanten Ölbohrvorhaben vor der Ostküste von Lanzarote und Fuerteventura sind hier sehr groß. Aber nicht etwa, weil eine grundsätzliche Energiewende angestrebt wird, um so rasch wie technologisch möglich auf Öl verzichten zu können, sondern weil um den Standort als Touristenhochburg gebangt wird. Und ein hoher Wertverlust des eigenen Apartments oder Hauses befürchtet wird.

Den meisten geht es ausschließlich um wirtschaftliche Interessen. Von „Öko“ und „Nachhaltigkeit“ ist hier bislang nicht viel zu sehen und zu hören. Weder in der lokalen Politik (politische Parteien mit Schwerpunkt auf ökologische Themen spielen hier so gut wie keine Rolle), noch beim Verhalten der Menschen. Ein paar Ausnahmen wie z.B. die Fundación Cesar Manrique gibt es natürlich; und diese kämpfen schon seit vielen Jahren für ökologisch vertretbares Wirtschaften. Und stoßen dabei bis heute auf ziemlich taube Ohren.

Technologisch ist es leider noch nicht möglich, uns vom Erdöl komplett abkoppeln zu können. Die Entwicklung ist allerdings schon so weit, Wind, Sonne, Gezeiten und Erdwärme – all dies gibt’s auf Lanzarote reichlich – immer stärker und effizienter zu nutzen. Wenig bestückt ist die Insel mit der entsprechenden Technologie. Unser E-Werk erzeugt den Strom fast ausschließlich durch … Erdöl. Die gelbe, schwefelhaltige „Fahne“ wabert regelmäßig und kilometerlang gut sichtbar vor Costa Teguise und Arrecife – und je nach Windrichtung auch vor der gesamten Nord-Ostküste und sonstwo.

Kurzum: Es wird weiterhin auf Öl gesetzt, allerdings soll die Ölförderung gefälligst in möglichst weit entfernten Ländern erfolgen, damit UNSERE Küsten sauber bleiben. Und dass in zahlreichen Öl fördernden Ländern Menschen und Menschenrechte mit Füßen getreten werden, interessiert kaum jemanden. Nicht nur hier.

Route und Herkunft der Schiffe und Tanker (z.B. aus Nigeria und Libyen), die an den kanarischen Küsten vorbei schippern, können im Internet beobachtet werden (Tankschiffe sind als rote Pfeile gekennzeichnet. Schiffstyp, Herkunft usw. werden durch Draufklicken angezeigt).

Spaniens derzeitige, konservative Regierung hat die Energiewende blockiert. Auch das war und ist hier kaum Thema auf der Insel.

Vor diesem Hintergrund halte ich eine Ölförderung vor der eigenen Haustür für kompatibel mit dem Mainstream. Und vielleicht schafft ja das Bewusstsein dieser permanenten Bedrohung kurz vor den eigenen Stränden endlich ein Umweltbewusstsein hier.