Der verschwundene Ort Santa Margarita

Westlich von Guatiza soll es im 16. und bis ins 17. Jahrhundert hinein einen Weiler gegeben haben mit dem Namen Santa Margarita. Es gibt kaum noch Spuren einer Ansiedlung dort und nur wenige Überlieferungen zu ihrer Existenz, dafür aber folgende Legende zu ihrer Entstehung:

Einer frommen Frau aus Uga, große Verehrerin der Heiligen Margarita, war ein besonderer Wunsch in Erfüllung gegangen. Als Dank versprach sie den Bau einer Kapelle zu Ehren dieser Heiligen; und zwar an jenem zufälligen Ort, an dem ihr Dromedar auf einer längeren Tour über die Insel den ersten Halt einlegen würde. Also nahm sie ein Bild der Heiligen und machte sich damit auf ihrem Dromedar auf den Weg. Das Dromedar hielt am Hang der Montaña de Guenia in etwa dort, wo sich heutzutage der Friedhof von Guatiza befindet. Dort ließ die Frau die Ermita Santa Margarita bauen, um ihr Versprechen einzulösen. Soweit zur Legende.

Das Gebiet, in dem diese Kapelle gelegen haben soll, soll besonders fruchtbar gewesen sein, und um die Kapelle herum sollen sich einige Inselbewohner niedergelassen haben. Es heißt, dass die weiß gekalkten Häuschen des Weilers, der nach der Ermita benannt wurde, bereits vom Meer aus gut zu sehen waren. Auch Piraten fielen sie ins Auge, die in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts an der Ostküste nördlich vom heutigen Costa Teguise anlegten. Von dort aus war die damalige Hauptstadt Teguise relativ gut zu erreichen. Auf ihrem Weg dorthin sollen die Piraten einen Schlenker nach Santa Margarita gemacht haben, wo sie plünderten und Häuser zerstörten.

Aus Angst vor weiteren zerstörerischen Raubzügen sollen sich die Bewohner von Santa Margarita einen besser geschützten Ort für Ihre Bleiben gesucht und das Gebiet vom heutigen Guatiza gewählt haben. Am Fuß der Vulkane Guenia, Tinamala, La Caldera und Las Calderetas errichteten sie nach und nach ihre neuen Häuser und gründeten so das Dorf Guatiza, heißt es. Auch vor Wind war diese Lage besser geschützt.

Der Name Guatiza – die Schreibweise war bis Anfang des 20. Jahrhunderts Guatisa – stammt allerdings aus der Zeit der Guanchen.

Vom Weiler Santa Margarita ist nichts mehr zu sehen. Einige Mauersteine und Zisternen sind in dem Gebiet um den Friedhof noch zu finden. Mündlichen Überlieferungen zufolge soll es noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts Ruinenreste der Kapelle gegeben haben. Einige ihrer Mauersteine sollen zum Bau der heutigen Friedhofskapelle von Guatiza, die ebenfalls den Namen Santa Margarita trägt, verwendet worden sein.


Das Gebiet, in dem Santa Margarita gelegen haben soll, ist über einen kleinen Pfad zu erreichen, der gegenüber des Friedhofs Richtung Süden führt. Ob die dortigen Zisternen tatsächlich aus dem 16. oder 17. Jahrhundert stammen, ist fraglich, denn sie sind mit Rundbögen versehen, die erst ab dem 19. Jahrhundert über Zisternen gebaut wurden. Die Rundbögen könnten allerdings auch später hinzu gefügt worden sein.