Helge Achenbach – ein neuer „Caso“?

Seit einigen Wochen muss Helge Achenbach, Berater, Makler und Manager in der großen und weiten Welt der Kunst, auf knapp acht Quadratmetern Gefängniszelle zwangsweise in sich kehren, zumindest bis die U-Haft beendet wird.

Betrug in Millionenhöhe wird ihm vorgeworfen, wie seit einigen Wochen in der deutschen Presse zu lesen ist. Auch die Wirtschaftspresse berichtet, denn bei seiner Kundschaft handelt es sich um besonders betuchte Zeitgenossen und um Unternehmen mit Anlageproblemen.

Link zu Artikeln in der Wirtschaftswoche.

Untersuchungshaft wird insbesondere bei Fluchtgefahr verhängt, verriet mir Wikipedia; und was den Wohnort betrifft, gäb’s durchaus Alternativen für ihn, denn er hat ein Haus in Costa Teguise, wo es sich sicherlich angenehmer verweilen lässt als in der Essener JVA. Spanien lockt zudem mit höchst verschlungenen Pfaden der Justiz sowie exzellenten Möglichkeiten der Prozessverschleppung bis zum Sankt-Nimmerleinstag. Und mit gewieften Anwälten, die sich darauf spezialisiert haben, prominente Delinquenten zu vertreten. Ein großer Kundenstamm ist ihnen hier gewiss, schließlich gibt es „Casos “ (Fälle) am laufenden Band – selbst das Königshaus ist betroffen. Lanzarote sowieso – s. den Bericht zur TV-Reportage über die Korruption auf Lanzarote.

Derzeit gilt für Achenbach die Unschuldsvermutung, also bleibt abzuwarten, was die laufenden Untersuchungen zutage fördern, oder eben auch nicht.

Einen „Caso Achenbach“ würde die Inselwelt allerdings kaum wahrnehmen; dazu kennen ihn zu wenige hier. Lanzarotes karge, außergewöhnliche Schönheit und das sensationelle Licht ziehen zwar u.a. zahlreiche Künstler und Kunsthandwerker an, und die sehr tolerante Bevölkerung lässt so manchem ziemlich schrägen Vogel seinen Wirkungskreis, die schroffe Vulkaninsel im Atlantik bietet jedoch weder Rahmen noch Parkett für Kunstmarkt-Spektakel in der preislichen Oberliga. Die Kunstmarkt-Blase wird weiterhin an anderen Orten aufgepumpt.

Als Kulisse für Kunst eignet sich Lanzarote indes sehr gut, auch wenn die meisten Besucher ziemlich irritiert guckten beim Anblick einer Immendorffschen Affenskulpur beim Monumento al Campesino, als wir letztens dort zum Tapasessen waren. So manches Kunstwerk hat Achenbach auf die Insel verfrachten lassen, und auch durch andere Aktivitäten das Kunstgeschehen hier aufgemischt – Düsseldorfer Mentalität wirkt allerdings nicht nur auf Kölner arrogant und ziemlich einnehmend.

Warten wir also ab, was nun folgt, und ob seine hier vor rund einem Jahr gegründete Stiftung Fundación Helge Achenbach *) Zukunft hat.

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*) Die Website ist am 20.10.14 aus dem Netz genommen worden.