Korruption in Spanien – Studie der Universität La Laguna

Wo viel gebaut wird, geht es um viel Geld, und wo’s um viel Geld geht, riecht es häufig sehr verdächtig nach Korruption. In Spanien wurde extrem viel gebaut, und die Korruption stinkt hier nicht nur bis ins Königshaus, sondern bis zum Himmel.Eine aktuelle Studie der Universität La Laguna hat das leidige Thema näher beleuchtet, und in der El País wurde heute darüber berichtet:

politica.elpais.com/politica/2013/06/16/…71400129_702560.html

Im Artikel ist eine interessante Karte zum Vergrößern veröffentlicht, auf der die Epizentren der Korruptionsfälle im Bausektor gekennzeichnet sind. Die Kanaren nehmen Rang 2 ein – was niemanden weiter überraschen dürfte angesichts der zahlreichen Neubauten und neu gebauten Siedlungen hier.

Beängstigend, weil es durchaus zeigt, dass die Demokratie in Spanien noch nicht besonders ausgeprägt zu sein scheint, ist das folgende Untersuchungsergebnis der Studie, wonach
45% der Spanier der Polizei vertrauen,
lausige 36% der Justiz,
erbärmliche 6% den Gewerkschaften
und nur eine kleine Minderheit von gerade mal 4% den Politikern.

Dass mehr als die Hälfte der spanischen Bevölkerung von einem Korruptionsfall im eigenen Municipio (der eigenen Gemeinde) zu berichten weiß, kommt uns noch arg untertrieben vor, schließlich werden auf Lanzarote seit einiger Zeit mehrere hundert Fälle von der Justiz untersucht, und so manche Deliquenten verbüßen bereits Haftstrafen; darunter der ehemalige Insepräsident Dimas Martín*. Auf Lanzarote gibt es sieben Gemeinden; wir kommen hier also auf deutlich mehr als auf nur einen Fall pro Gemeinde.

Interessant in dem Artikel ist auch ein Hinweis auf eine Studie von Elena Costas-Perez, Albert Solé-Ollé und Pilar Sorrentino-Navarro aus dem Jahr 2012, die im European Journal of Political Economy veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse dieser Studie decken sich zum großen Teil mit der aktuellen Studie der Universität La Laguna.


*Wir hatten uns bereits gewundert, Herrn D. Martín mehrfach zu begegnen; u.a. im Abflugbereich des Flughafens; und auch beim Einkaufen im Supermarkt von Guatiza, unserem Nachbarort und Wohnort der Familie Martín. Wenig später konnten wir in der Presse die des Rätsels Lösung lesen: Dimas Martín hat sich so gut mit dem Gefängnisdirektor verstanden, dass dieser ihm Freigang gewährte, obwohl das spanische Gesetz diese Vollzugslockerung bei einem Strafmaß von 8 Jahren Gefängnis erst zu einem späteren Zeitpunkt vorsieht. Immerhin: Der Gefängnisdirektor ist mittlerweile nicht mehr im Amt. D. Martín nutzt seine Gefängniszelle nun wieder als Kommandozentrale für seine Partei PIL Partido de Independientes de Lanzarote (Partei der Unabhängigen von Lanzarote). Außerhalb dieser 4 Wände wird die Partei  derweil vertreten vom Vizevorsitzenden Fabian Martín, zufälligerweise Sohn von Dimas.