Kungelei im Gerichtsgebäude

Im bisher wohl größten Korruptionsskandal der Insel, dem „Caso Unión“, wurde der Ermittlungsrichter César Romero Pamparacuatro rasch versetzt. Tüchtige und unerschrockene Richter und Staatsanwälte (m/w) haben es hier nicht wirklich leicht. Im „Caso Unión“, der seit 2009 das Gericht beschäftigt, sind zwischenzeitlich drei (oder vier?) RichterInnen gekommen und auch wieder gegangen. Seit seiner Versetzung muss Pamparacuatro von Teneriffa aus das Prozessgeschehen auf Lanzarote beobachten.

Ab und zu fliegt er noch nach Lanzarote, z.B. im Februar d.J., um Anzeige zu erstatten, weil einige Aufzeichnungen von Abhöraktionen sowie 21 Originale richterlicher Beschlüsse, die er seinerzeit unterzeichnet hatte, aus dem Gerichtsgebäude verschwunden sind.

In einigen Büros des Gerichtsgebäudes scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen, zumal sogar Details, die unter strenger Geheimhaltung standen, einen Weg bis zu einigen Hauptangeklagten gefunden hatten, wie der Presse zu entnehmen ist.

Pamparacuatro kam jüngst erneut nach Lanzarote, um einen Befangenheitsantrag zu stellen gegen den Richter Rafael Lis Estévez vom Ermittlungsgericht Nr. 3 von Arrecife. Der Richter ist verheiratet mit Margarita Alejo Hervás, der Anwältin von Juan Francisco Rosa. Rosa ist einer der Inselmogule und in eigentlich alle großen Korruptionsskandale der Insel irgendwie verstrickt. Als Eigentümer der „Bodega Stratvs“, ein Weingut der Superlative im La-Geria-Gebiet, ließ er vor einigen Jahren die Bodega zum Teil im Naturschutzgebiet und teilweise auf fremdem Grundstück errichten bzw. in den Berg treiben. Für nur 900 der insgesamt 12.000 Bodega-m² liegt eine Baugenehmigung vor.

Die Bodega ist seit einiger Zeit geschlossen/versiegelt, und Rosa nahm sich Margarita Alejo zur Anwältin just in dem Augenblick, als die Angelegenheit beim Ermittlungsgericht Nr. 3. landete, also jenem Gericht, in dem der Ehemann der Anwältin Richter ist.

Heikel ist zudem, dass Margarita Alejo Hervás seit 2009 alleinige Geschäftsführerin der Sozietät Lexislas Global SL ist, die 2003 vom Richter Rafael Lis gegündet wurde; damals war er noch Anwalt und bis 2009 dort alleiniger Geschäftsführer, und ist seitdem Generalbevollmächtigter der Sozietät.

Rafael Lis bearbeitet als Richter auch den Fall Pedro de Armas, bei dem es u.a. um Geldwäsche geht. Ob der Richter in einem Augenblick geistiger Umnachtung oder vorsätzlich die Akte Pedro de Armas nach nur zwei Monaten seines Richterdaseins ad acta gelegt hat, sei mal ungeprüft in den Raum gestellt. Mit diesem Fall waren zuvor zwei Richterinnen und noch längst nicht abschließend beschäftigt. Nach Protesten von Staatsanwälten ist die Akte mittlerweile wieder geöffnet worden. Diese Staatsanwälte scheinen keine Grundstücke z.B. in „La Bufona“ zu haben